Seit der öffentlichen, medial spürbaren Fahndung nach dem Mörder des Jungen Mirco wurden auch die Frage nach der Art des Auftretens des Kriminakhauptkommisars Ingo Thiel und stetig wachsende Zweifel in der Öffentlichkeit lauter. Viele Besserwisser erklärten per Leserbriefe wie die Polizei ihre Arbeit besser machen sollte statt der wahrnehmbaren Arbeit, die sie nunmal erledigte.
Diesen Zweiflern dürfte mit der Lösung des Falls Mirco die Grundlage des Misstrauens entzogen worden sein.
Das Ergebnis der monatelangen Ermittlungsarbeit ist herausrangend, es ist beeindruckend, es rührt … und es befreit in vielerlei Hinsicht. Jeder im Lande hat mit den Eltern des Opfers mitgefühlt, manche mitgelitten. Diese haben nun wenigstens eine Gewissheit und somit eine “Grundlage”, ihre Trauerarbeit richtig zu beginnen und zu erlernen, damit umzugehen. Dem armen Jungen widerfährt posthum Gerechtigkeit, indem der Mann gefasst wurde, der ihn tötete und verscharrte. Sein Verschwinden bleibt somit als keine ungeklärte Frage in Gedanken aller zurück, die dieser Fall beschäftigte. Und nicht zuletzt stärkt der Verlauf der Ermittlungen mit dem anschließenden Ergebnis, die zur Festnahme des Täters am vergangenen Mittwoch führte, auch das Vertrauen in unsere Polizei.
Es gibt immer noch Stimmen, die sich fragen, warum die Ermittlungen monatelang dauern mussten bis Mirco und Mörder gefunden wurden. Es ist gut, dass beide überhaupt gefunden werden konnten. Und dass diese Suche im Heuhaufen keine einfache Aufgabe werden würde, muss doch jedem von Anfang an klar gewesen sein.
Auch sind viele Berichte über das öffentliche (häufige) Auftreten der Ermittler, allen voran KHK Ingo Thiel mit zweifelhafter Rhetorik im Umlauf gewesen. Öffentliche Zuspitzung erstaunlicherweise speziell gegen den/die, die bemüht sind, diesen Fall aufzuklären.
War es richtig, dass Ermittler Thiel so auftrat wie er es tat? War es richtig (laut Meinung vieler), “große Töne” zu spucken? Sätze wie “Ich verspreche, wir kriegen ihn”, “die Schlinge zieht sich zu”, “Wenn wir den richtigen VW Passat haben, haben wir auch den Täter” in der Öffentlichkeit/in den Medien zu sagen und immer wieder zu wiederholen?
Ja, defintiv ja. Es war ganz klar richtig, so vorzugehen.
Man muss sich doch nur mal die Berufsbiografie und die Reputation des SOKO-Leiters Thiel anschauen, dann wird man erkennen: der Mann ist ganz klar kein Anfänger und hat zudem eine Aufklärungsquote von knapp 100% in 30 Dienstjahren – der weiss besser als andere wann und wie er was wo sagen kann und wann und wo er sich mit Aussagen zurückhält.
Wenn ein Täter sich nach so einer Tat in sein “normales” Leben zurückbegibt, wird er trotzdem weiterhin über die Medien den Fortgang des Falls mitverfolgen, denn er hofft, einen Informationsvorteil daraus zu ziehen, um eben weiterhin unentdeckt bleiben zu können. Also ist der Umgang mit den Medien und mit der Öffentlichkeit ebenso auch ein taktisches “Werkzeug” für die Polizei. Wiederkehrende Sätze des “Jägers” Thiel wie in diesem Fall sind auch eine Form der Kommunikation mit dem Täter. Denn die Ermittler haben KEINE andere Möglichkeit, diesem unentdeckten Täter psychologisch auf die Pelle zu rücken.
Die stoische Beharrlichkeit des Ermittlers Thiel, an diesem Fall dranzubleiben und “damit einzuschlafen und aufzuwachen” ist pure Authentizität: er unterstreicht/beweist, dass er genauso meint was er da in überlegter Form sagt. In der deutschen, spröden Realität wird so etwas sofort in Zweifel gezogen und man fragt sich “Muss sowas denn sein ..?”
Ja, es MUSS sein. Wenn es hilft, dem Täter habhaft zu werden und einen schlimmen Kriminalfall aufzuklären, muss auch sowas möglich sein – und noch mehr.
Die mediale Präsenz der Ermittler hatte im Hintergrund diese Absicht: dem Täter ein greifbares Gesicht seines “Jägers” zu geben (“Täter, schau Dir an wie ich aussehe, denn genau ich bin hinter Dir her”), dem Täter unmissverständlich in klarsten Worten zu sagen: “Wir sind eine große Gruppe von sovielen Kräften, die dich fangen wollen, wie sonst in keinem Fall und wir kriegen genau Dich”) und eine klare Botschaft an die Öffentlichkeit: An der Polizei wird oftmals gezweifelt, aber wenn es drauf ankommt, dann gibt es immer noch ehrliche und authentische Typen, die sich wahrhaft mit allem dafür einsetzen, dass Gerechtigkeit geschieht.
Man sollte herausragende Arbeit mit herausragenden Ergebnissen auch besonders hervorheben und schlichtweg loben. Herzlichen Glückwunsch an KHK Ingo Thiel und an alle Kräfte in seinem Team. Danke, dass Ihr Euch echt die Hintern abarbeitet, über eigene Grenzen und neue Wege geht und Euch von Gegenwinden nicht von der Spur abbringen lasst, wenn uns Bürgern mal was richtig Schlimmes passiert.
Thiel erwähnte kürzlich in einem TV-Interview, dass sein Team aus “positiv Bekloppten” bestünde. Die Bürger sollten froh sein, dass es solche Typen wie ihn gibt. Wahnsinnige Fälle wie dieser verlangen nämlich “wahnsinnige” Gegengeister. Geister, die anders denken und unbekannte Wege gehen wollen, um zum Ziel zu kommen.
Das haben sie getan und sie hatten damit einfach Recht. Herzliche Gratulation.